Neues Jahr, neues Glück! Ganz nach diesem Motto stellt sich auch die Formel 1 für kommende Saison 2019 neu auf. Okay, die ganze Formel 1 ist zugegeben ein wenig überspitzt formuliert, aber zumindest was die Fahreraufstellung betrifft, bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Hier die Übersicht:
Neue Piloten für 2019
Mit Spannung wird vor allem der Einstieg neuer Piloten, sogenannten Rookies, erwartet. Diese sind im Regelfall Ausnahmetalente, die die Formel 1 – Lizenz in Windeseile gelöst und die darunterliegenden Formelserien regelrecht zerfetzt haben. Einer dieser Newcomer hat 2019 die Ehre, sein Talent im Williams unter Beweis zu stellen. Das britische Team war im letztjährigen Feld zwar als klares Schlusslicht angesiedelt, Lance Stroll machte aber deutlich, dass auch mit Williams ein Podium möglich ist. (Der historische 3. Platz im Williams liegt sogar schon zwei Saisonen zurück, er fand in Azerbaijan 2017 statt, doch auch vor zwei Jahren war der Williams wahrlich keine Rakete.)
Formel 2 – Weltmeister bei Williams
Zurück zu unserem Newcomer: Er heißt George Russell, ist 20 Jahre alt und stammt aus England. Das Nachwuchstalent wird am Fahrermarkt keineswegs günstig gehandelt; immerhin kann er den GP3 Titel 2017, sowie den letztjährigen Formel 2 – Titel verzeichnen. Talent und Nerven scheinen also vorhanden zu sein, stellt sich die Frage, ob der junge Brite an seine letztjährigen Erfolge anknüpfen kann und dem Williams zu neuen Höhenflügen (das sind auch schon ein paar WM-Pünktchen) verhelfen kann.

Comeback für „Veteran“Kubica
An Russells Seite fährt eine wahre Legende, die wir schon vor 13 Jahren, damals im BMW-Sauber bewundern konnten. Die Rede ist vom Polen Robert Kubica. Das Renn-Urgestein (34 Jahre) hat 2008 mit seinem Sieg in Kanada Geschichte geschrieben und konnte sich zum ersten polnischen Formel 1 – Sieger küren. Er war es, der ein Jahr davor, sprich 2007, spektakulär in Kanada abflog, und dabei tausende Fans schockte, als Kubica nach frontalem Mauer-Aufprall mit weit über 200km/h und mehreren Überschlägen regungslos in den Gurten hing. Er war es auch, der vor 10 Jahren als unglaubliches Talent gehandelt wurde, der für 2012 einen Ferrari-Vertrag unterzeichnete, seine Position im Italo-Boliden allerdings nicht wahrnehmen konnte, nachdem der Pole im Winter 2011 bei einem Rallye-Unfall schwerst verletzt wurde. (Kubica wurde damals zwischen Auto und einer Kirchenmauer eingeklemmt, zog sich zahlreiche Knochenbrüche zu, sein rechter Arm leidet noch immer unter den Folgen des Horrorcrashs.)

Hochkarätige Aufstellung
Dass der Pole Autofahren kann (egal ob Rallye, oder Formel 1) ist also alles andere als ein Geheimnis. Williams scheint für 2019 fahrertechnisch schwere Geschütze aufzuziehen und es wird sich weisen, ob der hochbegabte Rookie Russell, oder doch der gezeichnete Routinier Kubica das Team-interne Duell entscheidet.
Auch Sauber legt vor
Das Team Alfa Romeo Sauber scheint eine ähnliche Taktik zu verfolgen, wie Konkurrent Williams: Einen Youngstar und einen alten Hasen an die Spitze setzen, um die perfekte Balance zwischen frischem Wind und Altbewährtem zu finden: Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen bilden das Duo 2019 für das Schweizer Team. Giovinazzi ist Italiener, 25 Jahre alt und war bereits 2017 bei den Grand Prix in Australien und China zu sehen, als Giovinazzi Sebastian Wehrlein vertrat, auch damals im Sauber. 2017 war er sogar dritter Fahrer, sprich Reservefahrer bei der Scuderia Ferrari.
Kimi bäckt 2019 kleinere Brötchen
Kollege Räikkönen, der älteste Mann im Feld, der Ende 2018 auf der FIA-Gala für Unterhaltung sorgte, nachdem er volltrunken die Bühne betrat, öfters das Gleichgewicht verlor, Vettel mehrfach grundlos umarmte, über ein Geländer kletterte, da er sich am Weg zu seinem Sitzplatz verlaufen hatte und sich schlussendlich eine dicke Zigarre gönnte, wird 2019 den erfahrenen Teamkollegen für Giovinazzi bilden. Für den Iceman schließt sich somit ein Kreis, nachdem der Finne 2001 bei Sauber debütierte. Dass 2019 top-Platzierungen oder sogar Podiumsplätze herausschauen, ist zwar nicht unmöglich, aber dennoch unwahrscheinlich. Viele Fans sind jedoch überglücklich, dass der vermutlich wortkargste Pilot des Feldes noch nicht in Ruhestand geht und die Formel 1 – Welt weiter mit trockenen Statements versorgen kann.

Auch Toro Rosso stellt sich neu auf
Die Red Bull – Schwester tauscht für 2019 beide Piloten (Gasly konnte zu Big Brother Red Bull aufsteigen, Hartley musste gehen) und setzt Daniil Kvyat und Alexander Albon ein. Der Russe Kvyat fuhr schon in der Vergangenheit für die Bullen, fiel dabei vor allem durch seine aggressive Fahrweise, den Hang zu spektakulären Unfällen und harten Statements („That’s racing“) auf. Ob er Toro Rosso ins Rampenlicht rücken, oder den Boliden doch nur ramponieren kann, wird sich 2019 weisen.
Nachwuchsthailent
Alexander Albon ist ein Newcomer, 22 Jahre alt und stammt aus Thailand, welches keine „typische“ Nationalität für einen Formel 1 – Fahrer darstellt. Albon fuhr 2018 in der Formel 2 Serie, konnte einige Siege und Podestplätze erzielen und wird mit Spannung in der Formel 1 erwartet.

2019 ohne Alonso
McLaren hat genauso wenig vor einem kompletten Fahrertausch halt gemacht: Legende Fernando Alonso verließ die Formel 1 mit Saisonende 2018, sorgte für zahlreiche Trauermomente bei Formel 1 – Fans, denn die typische Attitüde des Spaniers ließ Fans lachen, Teams auseinanderbrechen und verärgerte sogar den japanischen Motorenhersteller „Honda“, nachdem Alonso beim Großen Preis von Japan 2017 am Funk lautstark über seinen schwachen Honda-Motor ätzte: „GP2 Engine!“, schrie der wütende Spanier öfters in den Funk und wollte damit anmerken, dass sein McLaren aufgrund des eingebauten Honda-Motors so „langsam“ wie ein Formel 2 – Wagen sei. Genau vor japanischem Publikum missfiel diese Aktion „Honda“ schwer.
Spanische Spaßkanone
Bei seinem Abschlussrennen erlaubte sich Alonso in der letzten Runde einen Spaß, kürzte an allen Ecken und Enden die Strecke ab, fuhr absolute Rundenbestzeit und erhielt dafür von den Stewards gleich mehrere Zeitstrafen, die seine Endplatzierung (Platz 11) allerdings nicht mehr veränderten. Alonso meinte gegenüber der Presse, er wolle sich aus der Formel 1 zurückziehen, nachdem ihn diverse andere Rennserien reizten, „um ein kompletter Rennfahrer zu werden.“ Ein Comeback hält der Spanier jedoch für möglich.
Vandoorne geht
Alt-Teamkollege Stoffel Vandoorne konnte 2018 überhaupt nicht überzeugen, er musste seinen Posten räumen und wird, wie Esteban Ocon bei Mercedes als Simulatorfahrer eingesetzt. Ersetzt werden die beiden Piloten durch Carlos Sainz, der die vorherigen Saisonen bei Renault verbrachte und Newcomer Lando Norris.
Unterwürfiges Nachwuchstalent
Der erst 19-jährige Brite gewann 2017 den Formel 3 – Titel und wird, ähnlich wie Landsmann Russell als Nachwuchsfahrer mit hohem Potential gehandelt. 2018 entstand eine Aufnahme von Norris, wie er in der McLaren-Box dem damaligen Piloten Fernando Alonso ehrfürchtig eine Tasse Kaffee serviert, Alonso grinst zufrieden.

Spaßbremse Wolff
Auch vor Racing Point Force India macht die Fahrerochade 2019 nicht halt. Der Mexikaner Sergio Perez bleibt zwar, Esteban Ocon musste seinen Platz jedoch räumen und wechselte zu Mercedes, wo er als Test – und Simulatorfahrer eingesetzt wird. (Bei einer Pressekonferenz, die kurz nach dem Brasilien GP abgehalten wurde, wo Ocon überrundet mit dem führenden Verstappen kollidierte, siehe 1. Blogbeitrag, gab Wolff Ocons Wechsel zu Mercedes bekannt. Red Bull – Chef Christian Horner fragte den Wiener daraufhin frech, ob Mercedes Ocon denn auch die Flaggen, insbesondere die blaue (überrunden lassen), lernen würde. Während der Saal lachte, verzog Wolff keine Miene, er fand es absolut nicht lustig.

Stroll Racing Point
Force India wurde während laufender Saison 2018 von Lawrence Stroll, Lance’s Daddy, aufgekauft und verlor dabei alle Punkte. Das könnte eventuell, aber wirklich auch nur eventuell, der Grund dafür sein, dass Sohnemann Lance Stroll 2019 im Force-Stroll, Pardon, Force India Racing Point – Boliden sitzen darf, wahrscheinlich ist es aber nur wilde Fantasie.
Altbewährt ist nicht verkehrt
Haas vertraut weiterhin auf Roman Grojean und und Kevin Magnussen, Rivale Renault hat hingegen einen neuen Spitzenfahrer an Land gezogen: Neben Langzeit-Pechvogel Nico Hülkenberg (156 Rennen, kein Podium, Weltrekord!) startet 2019 Daniel Ricciardo für das „Best of the Rest – Team“ (4. Platz in der Konstrukteurs-Wertung 2018)
Ricciardo hofft auf bessere Zeiten
Der Australier wurde letztes Jahr von einer wahren Pechsträhne geplagt, fiel am häufigsten von allen Piloten aus den Rennen, fast immer waren technische Gebrechen dafür die Ursache. Ricciardo gab in Interviews 2018 offen zu, sauer auf sein Team zu sein und bezeichnete seinen Red Bull – Boliden als „verflucht“.
Australischer Autoschmuser
Aus alten Interviews ist bekannt, dass Ricciardos Beziehung zum aktuellen Formel 1 – Wagen stets von hoher Intimität ist, so „massiere und küsse er es“. Im neuen Team Renault sind die Erwartungen jedenfalls hoch, Teamchef Alain Prost meinte stolz Ricciardo würde „Renault in eine neue Dimension bringen.“ Verdient hätte es sich Ricciardo, 2019 abliefern zu können, doch auch er muss sich vorraussichtlich, ähnlich wie Räikkönen, mit Plätzen außerhalb der Top 3 zufriedengeben.

Mercedes-Stern am Firmament
In einem Interview verriet der Australier, auch ein Angebot von Mercedes bekommen zu haben. Dieses lehnte er allerdings ab, nachdem ihm die Anfrage nicht präzise genug war und eine Antwort seitens des Nummer 1 – Teams zu lange auf sich warten ließ. Ricciardo, ein Mann der anscheinend weiß, was er will.
RedBull setzt auf Youngstars
Red Bull hält an Max Verstappen fest, Pierre Gasley tritt in Ricciardos große Fußstapfen (nicht wegen der Körpergröße) und muss sich 2019 in einem der drei Top-Teams beweisen. bleibt zu hoffen, dass sein Nervenkostüm hält. Potential hat der junge Franzose nämlich auf jeden Fall. Die beiden Piloten sind zusammen gerade einmal 43 Jahre alt, lediglich vier Jahre mehr wie Urgestein Kimi Räikkönen.
Monegasse erobert die Scuderia
Ein ähnliches Los wie Gasley hat auch Nachwuchstalent Charles Leclerc. 2018 noch frisch im Formel 1 – Zirkus angekommen, wurde der Monegasse vom unerwartet verstorbenen Ferrari-Altpräsidenten Sergio Marchionne persönlich in den Sitz gehievt. Das sorgte bei den Fans für gemischte Gefühle, immerhin musste Publikumsliebling Räikkönen seinen Platz räumen. Funfact: Der Finne fuhr schon Formel 1 Rennen, als Leclerc gerade einmal drei(!) Jahre alt war. Umso erstaunlicher ist Charles Leclercs unglaubliches Talent: Er konnte 2018 im Sauber enorm abliefern, wurde 13. in der Fahrerwertung und konnte vor allem durch starke Qualifyings überzeugen. Teamkollegen Marcus Ericcson wurde vom jungen Monegasse regelrecht dominiert, obwohl dieser seit 2014 im Formel 1 – Zirkus tätig war, 2019 aber keinen Platz in einem der Teams ergattern konnte und nun in der IndyCar – Serie partizipiert.

Mercedes: Erfolgswiederholung mit alter Besetzung?
Last but not least: Überflieger Mercedes bleibt seinen Piloten treu, Valtteri Bottas und Lewis Hamilton bleiben das Silberpfeil-Gespann für 2019. Dabei wurde der Sitz des amtierenden Weltmeisters Hamilton bereits im Juli in Stein gemeißelt, sein Vertrag wurde um zwei Jahre verlängert, Bottas hingegen musste ein wenig zittern, bevor auch sein Platz für zumindest ein weiteres Jahr bei Mercedes garantiert wurde. Bottas hätte zu wenig Performance gezeigt, obwohl sich dieser durch Konstanz bzw. sauberes und ruhiges Fahren auszeichnet. Weiters ist der Finne seinem Team unendlich treu, befolgte jede Teamorder, unterstützte Hamilton bei seinem Titelgewinn mit allen Mitteln (Verzicht auf Sieg inklusive) und handelte sich so den Ruf ein, Hamiltons „Wingman“ zu sein. Eine freche Anschuldigung, die jedoch einen wahren Kern hat, dieser Kern ist allerdings auf Teambasis entstanden und Teil des Loses, von Stallordern zum Fahrer 2 degradiert zu werden.
Auch in der Chefetage rollen Köpfe
Neben einer der größten Fahrer-Rochaden der Formel 1 – Geschichte, gibt es auch ganz oben Veränderungen: Ferrari – Chef Maurizio Arrivabene muss seinen Posten räumen und wird durch Mattio Binotto ersetzt. Arrivabene soll mit dem Chefsessel bei Juventus Turin liebäugeln, fad wird dem 61 – jährigen Italiener also gewiss nicht.

Neuer Chef bringt neues Image
Durch den Chefwechsel bei Ferrari könnten diese einen deutlichen Imagewechsel bekommen: Unter Arrivabene gab sich Ferrari zugeknöpft und konservativ, so waren die Springpferde als einziges Team nicht Teil der eSports Kampagne der Königsklasse. Auch sonst war Arrivabene, der ursprünglich aus dem Management der Tabakindustrie stammt, als wortkarg, bitterernst und medienfeindlich verschrien. Den gewünschten Auftrieb, mit dem Ziel des Fahrer – bzw. Konstrukteurtitels konnte auch er nicht bringen (Ferrari ist seit 2007 fahrertitellos, 2008 errangen sie das letzte Mal den Konstrukteurstitel), jetzt soll’s der neue Boss, der als ruhig und einfühlsam gilt, richten.
Nachtschwärmer im Vorteil
2019 wird eine interessante Saison, die vor allem durch eine Vielzahl an neuen Fahrern bzw. Fahrern in neuen Teams besticht. Startschuss ist am 17. März in Melbourne, Australien, das erste freie Training startet für ZuseherInnen unseres Breitengrades um 03:00, Aufstehen bzw. Aufbleiben lohnt sich!







